Mehr als 200 Millionen Menschen weltweit ohne Job

Die internationale Arbeiterorganisation ILO kritisiert die weltweit ergriffenen Maßnahmen zum Schuldenabbau, insbesondere die der Europäischen Union. Diese hätten laut ILO “verheerende Wirkungen für den Arbeitsmarkt”. Zudem seien die erklärten Sparziele klar verfehlt worden.

In einem am Montag veröffentlichten Arbeitsmarktbericht heißt es, die Länder müssten anerkennen, dass eine Politik zur Verbesserung der Beschäftigungszahlen einen positiven Effekt für die Wirtschaft habe. Desweiteren warnt die ILO vor Drohenden sozialen Unruhen, sollten nicht bald umfangreiche Beschäftigungskampagnen gestartet werden. Trotz einer weltweiten Konjunkturerholung habe die Arbeitslosigkeit weiter zugenommen heißt es in dem Bericht. Ursprünglich sollten bereits 2014 dieselben Beschäftigungszahlen wie vor der Krise, dem Jahr 2008, erreicht werden. Diese Zahl wurde nun auf 2016 korrigiert.

Seit Beginn der weltweiten Finanzkrise gingen laut ILO 50 Millionen Arbeitsplätze verloren. Gab es Ende 2011 noch 196 Millionen Arbeitslose, so wird bis Ende dieses Jahres mit 202 Millionen Erwerbslosen Menschen gerechnet.

Insbesondere im Nahen Osten und in Afrika steige das Risiko sozialer Unruhen. Dort ist die Arbeitslosenzahl insbesondere unter der jungen Bevölkerung extrem hoch. Doch auch in den Industrieländern befinden sich 40 % der Arbeitslosen seit mehr als einem Jahr auf Arbeitssuche.

Der Verfasser der Studie, Raymond Torres, tituliert die gegenwärtige Sparkultur als “kontraproduktiv”. Ihm zufolge müsse eine Regulierungspolitik zu mehr Wachstum führen, was jedoch nicht der Fall sei. Als Negativbeispiel führt Torres Spanien an, dessen Haushaltsdefizit in Folge der Sparpolitik nur um einen halben Prozentpunkt gefallen sei.

Weiterhin warnt Torres vor einer neuen Rezession in Europa, bedingt durch die in zwei Dritteln der EU gestiegenen Arbeitslosenzahlen seit 2010.

Das, wohl bald ehemalige, Traumpaar Merkozy bekommt in der Europäischen Union zunehmend Gegenwind. So kündigte Francois Hollande für den Fall seiner Wahl zum französischen Präsidenten an, statt eines Spar- ein Wachstumspaket schnüren zu wollen, welches die Konjunktur ankurbeln soll.

In die gleiche Schiene schlägt auch der EU-Binnenmarktkommissar Michael Barnier. Dieser fordert zusätzlich zu den Sparplänen die Ausarbeitung von Verträgen für eine europäische Wachstumsinitiative.

Ausgenommen von der Kritik des ILO-Berichts ist Deutschland. Bedingt durch starke Exporte, vor allem außerhalb Europas, seien sowohl Wirtschafts- als auch Beschäftigungswachstum garantiert.

Laut ILO müsse Deutschland lediglich darauf achten, die Reallöhne an die Produktivitätsentwicklung anzupassen. Zudem sollten laut ILO auch die Rahmenbedingungen für atypische Dienstverhältnisse verbessert werden. Darunter fallen Leiharbeit, Teilzeitstellen, sowie niedrig bezahlte und kurzfristige Arbeitstätigkeiten.

Besondere Kritik übte die ILO an Japan und den USA. Grund dafür ist die Stagnation auf dem Arbeitsmarkt beider Länder.

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